Schuhe und Kleidung kombinieren, Teil 1

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Braune oder schwarze Schuhe zum dunkelblauen Blazer? Im Verlauf dieses mehrteiligen Beitrags wird diese Frage beantwortet werden. Im Bild braune Oxfords auf Peduform-Leisten von Ed. Meier München (Foto: Jan Hemmerich)

Ein wirklich stilvolles Outfit beginnt nicht erst mit den Schuhen, sollte aber auch keinesfalls bei Ihnen enden. Wer Wert auf sein Äußeres legt, wird seine Prioritäten deshalb nie so setzen, daß ein anderes Element seiner Kleidung dadurch zu kurz kommt. Im Idealfall ist also alles von höchster Qualität. Dabei meine ich, dass alles nicht nur mit größter Sorgfalt und von exzellenten Handwerkern angefertigt wurde, sondern auch perfekt paßsst. Dies ist bei den Schuhen in der Regel ein geringeres Problem, als bei der übrigen Kleidung. Schließlich bieten die Hersteller guter rahmengenähter Schuhe ihre Produkte in mehreren Breitengrößen an. Dabei könnte eine leicht vereinfachende Gleichung aufgestellt werden: Je größer die Zahl der Breitengrößen, desto besser die Schuhmarke. Und tatsächlich können es sich nur die wirklich großen oder aber teuren Hersteller leisten, die wichtigsten oder gar alle Modelle in mindestens zwei Breiten anzubieten. Wer aus dem Sortiment dieser Firmen auswählt, wird also in aller Regel ein sehr gut passenden und hervorragend verarbeiteten Schuh bekommen.

Maßschuhe sind für den mit unproblematischen Füßen gesegneten Mann allenfalls ein prinzipieller Imparativ – wenn auch ein sehr starker. Denn wer ein bestimmtes Qualitätsniveau erreicht hat, wird sich selten mit dem Massenprodukt zufrieden geben, auch wenn es noch so gut gemacht ist. Wer so denkt, betrachtet den Schuh als Teil eines Ganzen. Er wird ihn immer als ein Element von vielen sehen und ihm dadurch automatisch das richtige Gewicht geben. Stilvoll gekleidet zu sein, bedeutet nämlich auch, daß kein Teil des Outfits qualitativ im Gesamtklang eine Dissonanz erzeugt. Ein weniger als hochwertiges Hemd kann einen wirklich guten Anzug herunterziehen. Die Schönheit eines handgefertigten Maßschuhs degradiert die mindere Qualität des übrigen Outfits noch weiter. Oder noch praxisnäher gesagt: Billige, knöchellange Socken mit humoristischen Motiven berauben einen guten Schuh seiner Strahlkraft.

© Ben PhillipsJohn Lobb, the bootmakers of St.James's UK, London
Lobb in London – der wohl berühmteste Maßschuhmacher der Welt. Die berühmten Kunden der Vergangenheit wussten, wie sie Schuhe und Kleidung richtig kombinieren (Foto: Lobb)

Die Analogie aus der Welt des Essens würde lauten, dass ein gutes Menü auch gute Weine erfordert und umgekehrt der beste Wein wenig nützt, wenn die Speisen nichts taugen. Die kulinarische Methaphorik hilft uns, auch noch einen weiteren Aspekt zu verdeutlichen. Selbst die besten Zutaten und die besten Weine ergeben nicht automatisch ein wohlschmeckendes Menü. Die festen und flüssigen Zutaten müssen natürlich auch zusammenpassen. Das gilt auch für das Outfit. Und damit bin ich bei dem eigentlichen Thema . Wie wähle ich die richtigen Schuhe aus? Was passt zu welchem Outfit und zu welchem Anlass? Wann trage ich Braun, wann Schwarz und zu welchen Farben der Kleidung?

Hellbraune Chukkaboots aus Rauleder zu Flanellanzug? Klassisch oder unpassend (Foto: Martin Smolka)?

Auf diese Fragen gibt es in unseren Tagen mehr Antworten denn je. Schließlich kann heute jeder sehr weitgehend tun und lassen, was er will. Es gibt weder wirklich verbindliche Regeln, noch Sanktionen oder gar Möglichkeiten ihrer Durchsetzung. Wer partout zum Frack braune Wildlederschuhe anziehen möchte, der soll dies in Gottes Namen tun. Kaum einer wird ihn deshalb mit Verachtung strafen. Wen schert heute noch, was richtig oder falsch ist. Und so findet auch kaum jemand etwas dabei, wenn der Moderator einer Fernsehshow zum Anzug Trainingsschuhe trägt. Doch die generelle Mißachtung historisch gewachsener Konventionen bedeutet nicht, dass Regeln nicht mehr existieren. Die Zahl derjenigen, die sie kennen und die aus ihrer Einhaltung oder virtuosen Übertretung Vergnügen ziehen, wird lediglich immer kleiner. Doch das soll niemand in seinem Vorsatz beirren, seine Kleidung sorgfältig zu wählen. Dabei können wir uns verschiedener Systeme bedienen oder gar Inspiration aus mehreren ziehen.

Zum einen gibt es das System überlieferter Regeln von Anstand und Sitte, die sich aus historischen Quellen speisen und die in aller Regel den Geschmack der führerenden Klassen widerspiegeln – in Großbritannien ist dies immer noch der Adel, auf dem republikanischen Kontinent hat seit dem Ende des 19. Jahrhunderts das Großbürgertum die Führungsrolle übernommen. In der westlichen Welt gilt heute eine Mischung aus verschiedenen nationalen Konventionen, die sich zu einem internationalem Stilkanon vermischt haben. Man könnte diese Regeln unter dem Stichwort „das macht man so“ zusammenfassen. Das zweite System bedient sich rein ästhetischer Regeln und räumt dabei dem persönlichen Geschmacksempfinden einen großen Stellenwert ein. Diese Regeln könnten auch unter dem Postulat „das finde ich schön“ subsumiert werden.

Dazu kommt eine Reihe von Spezialsystemen, die sich vor allem in den USA großer Beliebtheit erfreuen. Sie versuchen überlieferte gesellschaftliche oder aber persönliche ästethische Kriterien durch neue Regelwerke zu ersetzen. Als Beispiel sei hier nur eine Theorie erwähnt, die anhand des Hauttons bestimmte Farben, Materialien und Oberflächenstrukturen empfiehlt. Man könnte diese Art von Regeln unter die Überschrift „Das passt zu dir, weil … „ stellen. Wir möchten hier aber nicht von ihnen reden. Wir glauben, daß die gesellschaftlichen Normen und das persönliche Geschmacksurteil bessere Leitfäden sind, als pseudowissenschaftliche Heilslehren.

Ende von Teil 1, Fortsetzung folgt.

3 Comments

  1. „Als Beispiel sei hier nur eine Theorie erwähnt, die anhand des Hauttons bestimmte Farben, Materialien und Oberflächenstrukturen empfiehlt.“

    Dieses „Regelwerk“ empfand ich für Einsteiger immer als besonders hilfreich und auch valide in seiner Anwendung, da es eine erste Orientierung bietet und so hilft grobe Fehler zu vermeiden.

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    1. Ein alte Regel besagt, dass die Schuhe nicht heller sein sollten als die Hosen. DIese Regel ist sehr allgemein und deshalb nicht zu 100 Prozent zutreffend. Als Orientierung aber hilfreich. Ich halte es so, dass bei Anzügen die Schuhe in etwa den gleichen Helligkeitswert haben wie der Stoff. Bei Sakko-Hose-Kombinationen trage ich schon mal hellere Schuhe, dann greife ich ihre Farbe aber im Sakko auf oder in der Farbe der Krawatte. Beispiel: Hellbraune Raulederschuhe, mittelgraue Flanellhose, oliv-hellbrau kariertes Tweedsakko, sandfarbene Wollkrawatte.

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