7 Sachen, die Mann nicht haben muss

 

Manche Kleidungsstücke, Schuhe, Accessoires oder Looks polarisieren. Man liebt sie oder hasst sie. Dazwischen gibt es nichts. Einen dunklen Anzug mag man oder nicht, kaum einer wird sich aber darüber aufregen, wenn jemand ihn trägt. Ganz anders aber bei diesen ganz speziellen Aufreger-Teilen:

  1. Flipflops
    Jeden Sommer sprechen mich Redakteure auf die Zehenstegsandalen aus Gummi an. Darf man sie tragen oder nicht? Sind sie an heißen Tagen im Büro akzeptabel? Kann ich sie beim Bummel in der Stadt tragen oder nur am Strand? Der Berliner Herrenausstatter Chelsea Farmers Club verbietet im Sommer per Schild das Betreten des Ladens mit Flipflops, was jedoch nicht ganz ernst zu nehmen ist. Erstens, da der Inhaber des Hauses eigentlich nie ernst ist und er zweitens selbst einen sehr exzentrischen Stil pflegt. Sein Statement ist aber dennoch klar: Flipflops sind einfach albern und dem kann man zustimmen. Als Strand- oder Badelatschen sind natürlich okay und meines Erachtens auch stilvoller als die Adilette. Als täglich getragenes „Schuhwerk“ für den Sommer sind sie aber ungeeignet, jedenfalls nach den Maßstäben der europäischen Bekleidungskultur.
  2. Die Jogginghose
    Es geht nicht um die Tauglichkeit der klassischen Jogginghose für den Laufsport oder darum, ob man es sich in diesen Beinkleidern zu Hause bequem machen soll oder nicht. Es geht um die Jogginghose aus dem Discounter und die Frage, ob sie als Alltagsgewand taugt sowie um die Jogginghose in der Version der Modedesigner, die sie seit einiger Zeit als Alternative zu Jeans oder Chinos positionieren. Die Jogginghose ist Sportkleidung, so wie das T-Shirt, das Sweatshirt und auch der Laufschuh. Wobei man heute eigentlich nicht mehr von „Jogging“ spricht, wenn das Laufen gemeint ist. „Jogging“ ist so „eighties“ wie die Jogginghosen selbst. Beim Laufen trägt man heute hautenge Beinkleider aus Funktionsmaterial. In denen fühle ich mich übrigens so unwohl, dass ich gern klassische Sweatpants darüber ziehe. Aber nur beim Laufen. Das habe ich erst vor kurzem Radiointerview gesagt und wiederhole es auch hier.
  3. Der Gürtel mit H-Schließe
    Ist es ein Sakrileg, den Gürtel der großen französischen Marke bei den polarisierenden Teilen aufzuführen? Ich selbst habe mir vor ca. 25 Jahren diesen Gürtel aus gutem französischem Hause gekauft und er wurde auf einer Seite des Gentleman-Buchs sogar fotografisch verewigt. Schon damals habe ich ihn aber selten getragen, da ich ihn zum Anzug unpassend finde und zu Freizeithosen schon gar. Außerdem werden meine Anzughosen ohnehin fast alle von Hosenträgern gehalten. Vor allem finde diesen Gürtel einfach zu wenig diskret. Und wieso soll ich den Anfangsbuchstaben einer Marke vorzeigen, wenn mein Hemd meine eigenen Initialen trägt? Irgendwann habe ich diesen Gürtel deshalb verkauft und trage seitdem wieder ausschließlich englische Riemen aus Sattelleder mit Messingschließe oder sportliche Gürtel aus kräftigem Canvas.
  4. Monogram Canvas
    Ich werde in Interviews oft nach Stilsünden meiner Jugend gefragt. Bisher verschwiegen habe ich, dass ich mir Ende der 1990er einige Gepäckstücke aus dem braunen Monogram Canvas zugelegt habe. Meine englischen Freunde witzelten darüber und meinten, dass diese Taschen sehr nach Filmstar der 1930er aussehen. Was noch nett formuliert war. Abgesehen davon, dass der berühmte „Keepall“ sich einfach unheimlich schlecht packen lässt und somit wirklich nur für seinen ursprünglichen Verwendungszweck geeignet ist, nämlich Schmutzwäsche zu transportieren, kann ich das Logo einfach nicht mehr sehen. Exklusiv ist es nur aufgrund des Preises, der große Käuferschichten ausschließt, in relativ großen Mengen wird der Monogramm-Canvas aber dennoch produziert. Es gibt sicherlich einige geschmackvolle Gepäckstücke und Kleinlederwaren dieses Herstellers, die sind dann aber aus Leder gefertigt und sind auch weit weniger verbreitet. Vielleicht, weil eben das gut erkennbare Logo fehlt.
  5. Krawattenklammern
    Es gibt wohl kaum ein überflüssigeres Accessoire. Ich trage seit ca. 35 Jahren regelmäßig Krawatte und habe eine Klammer noch nie vermisst. Es gibt nur sehr, sehr wenige Herren, die sich stilvoll kleiden und eine solche Klammer verwenden. Man könnte es auch so sagen: Herren, die so stilvoll sind, dass die Krawattenklammer nicht stört. So habe ich z. B. Bilder entdeckt, auf denen man den Prince of Wales mit Krawattenklammer sieht. Er bringt sie bei seinen Zweireihern aber in Bauchnabelhöhe an, was die Klammer unter der geschlossenen Jacke unsichtbar macht. Dort verhindert sie, dass die Krawatte verrutscht, was für ihn in seiner repräsentativen Rolle vielleicht wichtig ist. Sichtbar als Schmuck sollte der Krawattenkneifer aber nicht getragen werden, denn er gibt der ganzen Erscheinung eine sehr spießige Note. Auf Autos übertragen entspricht die Krawattenklammer dem Duftbaum am Spiegel, der auch das schönste Interieur verhunzt. Nur als Witz sind Krawattenklammer und Duftbaum okay.
  6. Das Kurzarmhemd
    Modekritiker bekommen Beifall, wenn sie sich über die Kreationen der Designer lustig machen. Wenn es um Kritik am Look der Masse geht, reagieren die Leser giftig. So auch, wenn man das allseits beliebte Kurzarmhemd aufs Korn nimmt. Es ist aber nun mal, dass kurze Ärmel nicht zum Sakko oder Anzug passen und nackte Unterarme nicht zum Businesslook. Natürlich müssen heute viele Männer nicht mehr Anzug und Krawatte bei ihrer Arbeit anziehen, dann ist aber ein Poloshirt die stilvollere Alternative zu dem biederen Kurzarmhemd. Am schlimmsten ist aber die Kombination aus Kurzarmhemd, Krawatte und Jeans, sie lässt das Bemühen erkennen, dass die Partnerin Wert darauf legt, dass ihr Mann gepflegt aussieht. Die wenigsten Männer würden sich nämlich freiwillig so ausstaffieren. Also: Entweder Anzug mit Langarmhemd und Krawatte, Sakko und Langarmhemd ohne Krawatte, Langarmhemd mit Pullover oder Cardigan oder gleich Poloshirt.
  7. Die Kurzsocke
    Neulich hat es mir ein bekannter deutscher Strumpfunternehmer wieder im Gespräch bestätigt: In Deutschland verkauft er zu 90 Prozent Kurzsocken und nur zu 10 Prozent Kniestrümpfe. In Italien ist es umgekehrt, der italienische Herr zeigt ungern Bein unter dem Hosenbein. Wir lassen uns gern vom „stile latino“ inspirieren, bei den Socken bevorzugen deutsche Männer aber allzu oft die Mini-Version. Dafür werden viele Gründe genannt. Kniestrümpfe sind angeblich zu warm (im Sommer stimmt das, doch wer schön sein will, muss leiden), sie schnüren angeblich das Bein ab (mag subjektiv so empfunden werden), rutschen ständig (sollte bei Qualitätsstrümpfen nicht der Fall sein) oder werden einfach als albern empfunden. Wer sehr eng geschnittene Hosen trägt, hat tatsächlich oft das Problem, dass das Beinkleid am Kniestrumpf hängenbleibt. Doch wer sagt, dass extrem enge Hosen gut aussehen? Am Ende ist es eine Frage der Stimmigkeit. Wenn zwischen dunklem Strumpf und dunklem Hosensaum ein helles Bein hervorschaut, ist das einfach unharmonisch. Und ein Stilbruch. Wie ein zu weit aufgeknöpftes Hemd.

5 Comments

  1. Herr Roetzel könnte ruhig einen dieser modernen ‚spell checks‘ nutzen – da Rechtschreibefehler einem echten Gentleman in seiner Korrespondenz nicht sehr gut stehen.

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    1. Die Fehler sind wirklich ein Ärgernis. Leider zeigt WordPress nur doppelte Wörter, Fachausdrücke und englische Begriffe an. Ich habe den letzten Text jetzt noch einmal bei Word durchlaufen lassen, was einige Fehler zutage gefördert hat. Das werde ich ab jetzt immer so machen. Ansonsten sollte ich mir einen Assistenten zum Korrekturlesen zulegen.

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  2. Als zum transpirieren neigender Mensch möchte ich ihnen bezüglich der Kurzarmhemden doch widersprechen. Sicherlich nicht mit Krawatte und im Anzug aber in passendem Schnitt und Stoff, Madras/Seersucker, doch als Alternative zum Polohemd. Dem von Ihnen hochverehrten DoW waren sie auch nicht unbekannt.

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  3. Sehr geehrter Herr Roetzel,
    sehr geehrte Damen und Herren Leser dieses Blogs!
    An dieser Stelle bedanke ich mich sehr herzlich bei Ihnen Herr Roetzel, für Ihre hervorragende Arbeit und Ihre Bemühen um die klassische Herrenmode und die Haltung die dazu gehört.
    Bereits seit dem ersten Erscheinen des „Gentleman“ Buches bin ich Ihr begeisterter Leser und das Buch hat mich sehr beeinflusst.

    Kurz noch zum Thema Rechtschreibfehler: Die meinen bitte ich zu entschuldigen. Hier halte ich es mit Oscar Wilde: Ist einer ein Gentleman weiß er genug, ist er es nicht, nutzt ihm sein ganzes Wissen nicht.
    Zum Gentleman gehört natürlich stets auch das Streben sich zu verbessern,
    viel mehr aber noch: Güte, Nachsicht und Rücksicht.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Sascha P.

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