Herbst 2017 – Kleine Karos ganz groß

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Tweedsakko von  Drake’s für Herbst/ Winter 2017/ 2018. Angesagt bei dem Top-Label des guten Geschmacks sind kleine Karos (Foto: Drake’s)

Wer sich schon ein wenig länger mit klassischer Herrenmode beschäftigt, muss in letzter Zeit häufiger schmunzeln. Denn derzeit angesagt sind Teile, die sehr nach einem Kostüm aus „Der Kommissar“ mit Erik Oder aussehen. Was nicht schlecht sein muss. Denn die späten 1960er waren in Hinblick auf die Herrenkonfektion eine Zeit, die durchaus noch in Ordnung war. Man bekam bei Ausstattern und im Kaufhaus eine gute Auswahl solide gemachter Konfektion und Maßschneider gab es in großer Zahl. Und das Karosakko war noch fester Bestandteil der Herrengarderobe. Nicht nur bei Papa und Opa, auch die jüngeren Herren trugen Karo. Vielleicht mit etwas breiterem Revers. Aber aus gutem Tuch. Und der konservative, feine Herr, bevorzugte damals wie heute einen Schnitt, der weitab von Modetrends an den Proportionen des Trägers ausgerichtet war. Drake’s offeriert den Karoklassiker nun als Teil seiner umfangreichen Kollektion, die derzeit sicherlich zu den geschmackvollsten im oberen Marktsegment gehört. Well done!

 

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Mantel von Private White V. C. aus weicher Lambswool. Wenn das Model nicht wäre, könnte man meinen, dass der Mantel aus einer Fernsehserie der 1960er stammt (Foto: Private White V. C.)

Private White V. C. hat sich den englischen Klassikern verschrieben, ist aber dennoch in großer Distanz von den bekannten Marken aus dem UK positioniert. Stilistisch und auch was die Qualität betrifft, denn Private White V. C. wird in England gemacht. Das ist heutzutage bemerkenswert. Nicht nur bezogen auf Großbritannien. Deutsche Marken, die tatsächlich komplett in Deutschland nähen, sind auch bei uns eine so große Seltenheit, dass die wenigen, die es tun, mit dieser an sich banalen Tatsache, werben können, wie z. B. Trigema oder Regent – um zwei ganz unterschiedliche Anbieter zu nennen. Private White V. C. ist von der Denkweise durchaus mit den beiden Firmen aus Deutschland zu vergleichen, denn die Produktion im eigenen Land ist Ehrensache. Und soll die Qualität garantieren. Man könnte jetzt zwar darüber diskutieren, ob die Qualität dadurch tatsächlich besser wird (die Produzenten in Mittel- und Südeuropa würden das verneinen), auf jeden Fall ist der Standort ein gutes Verkaufsargument. Jedenfalls im Fall von England oder Deutschland. Der Mantel, der wohl eher für den so genannten metrosexuellen Mann gedacht ist und weniger für den traditionellen Liebhaber des Gentleman-Looks, ist tatsächlich ein waschechter Klassiker. Vor kurzem habe ich mir übrigens ein ganz ähnliches Teil in der Vintage-Boutique Rudolf Beaufays in Hamburg gekauft. Von Aquascutum und zwar aus einer Zeit, als dieser Name noch für sehr traditionelle britische Wetterbekleidung stand. Innovation besteht in der klassischen Herrenkleidung eben zumeist aus Inspiration durch die Vergangenheit.

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