8 Tipps für Maßkonfektion

  1. Wie vor jedem Kauf gilt auch vor dem Kauf von Maßkonfektion: Sie müssen wissen, was Sie wollen. Würden Sie ein Auto bestellen, wenn nicht Klarheit darüber besteht, ob es um einen Bedarfskauf geht oder einen Lustkauf, um einen Kombi für die Familie oder einen Sportwagen? So ist es auch bei der Maßkonfektion. Wer nicht weiß, was er will, kann auch nicht kriegen, was er braucht.
  2. Wenn Sie das erste Mal bestellen, sollten Sie den am besten sitzenden Anzug für den Besuch beim Maßkonfektionär anziehen. Außerdem Hemd, Krawatte und die Schuhe, die Sie auch mit dem Anzug tragen würden. Wenn Sie keinen gut sitzenden Anzug besitzen, dann tragen Sie wenigstens ein Hemd mit langen Ärmeln und Krawatte. Wenn Sie das auch nicht besitzen, sollten Sie sich vor dem Maßnehmen ein Hemd bei dem Maßkonfektionär ausleihen. Warum? Ein guter Verkäufer kann daran, wie der Anzug sitzt, sehr viel ablesen. Außerdem können Sie an dem Anzug besser erklären, was Sie wollen oder nicht wollen. Und ohne ein Hemd mit langen Ärmel kann die Länge der Anzugärmel nicht korrekt festgelegt werden.
  3. Wenn Sie nicht zu den Männern gehören, die den Inhalt Ihres Kleiderschranks komplett im Kopf haben, sollten Sie vor dem Kauf noch einmal die Bestände durchgehen. Sie können auch Handyfotos machen. Das gilt vor allem, wenn Sie noch unsicher sind, was für einen Stoff Sie für den Anzug auswählen wollen.
  4. Die meisten Maßkonfektionäre arbeiten mit Schlupfmustern. Man lässt den Kunden also einen Anzug in einer annähernd passenden Größe probieren und misst daran ab, was verbessert werden muss. Die Wahl der Größe dieses Schlupfmusters ist eine wichtige Vorentscheidung über das Aussehen des Maßkonfektionsanzugs. Wenn Sie zu den Männern gehören, die zwischen zwei Größen schwanken, sollten Sie die beiden in Frage kommenden Schlupfteile probieren. Es macht einen Unterschied, ob z. B. eine 48 an einigen Stellen verlängert oder erweitert werden muss oder eine 50 an einigen Stellen enger und kürzer gemacht wird.
  5. Betrachten Sie die Stoffe möglichst bei natürlichem Licht, also draußen vor dem Laden. Wenn es im Winter früh dunkel wird, sollten Sie das bei der Planung des Einkaufs berücksichtigen. Wenn Sie unsicher sind, ob Sie eine Farbe oder ein Muster wählen, sollten Sie lieber davon Abstand nehmen. Ordern Sie nur den Stoff, der Sie zu 100 Prozent überzeugt.
  6. Lassen Sie sich eine Kopie des Bestellformulars geben oder machen Sie davon ein Foto. Oftmals vergisst man Details, die man bestellt hat. Oder am gelieferten Teil ist etwas anders, als geordert. Nicht selten fehlen Taschen oder Taschen sind an Stellen vorhanden, an denen man sie nicht haben wollte. Dies tritt gern bei der Billetttasche auf oder bei den Taschen am Gesäß. Auch bei Details wie Unterkragen, Futter oder dem Verschluss der Hose, kommt es häufiger zu Pannen. Da hat die Hose dann plötzlich Knöpfe am Hosenschlitz und nicht den gewünschten Reißverschluss.
  7. Wenn Sie schon häufiger Probleme hatten, gut sitzenden Maßkonfektion zu bekommen, sollten Sie nach einer Zwischenprobe fragen. Bei manchen Anbietern ist es möglich, dass der Anzug im noch nicht ganz fertigen Zustand geliefert wird. Das kostet zwar meistens einen Aufpreis, kann das Ergebnis aber sehr verbessern. Eine solche Anprobe ist aber nur bei wenigen Anbietern möglich.

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    Bei der Anprobe wird die typische Armhaltung angezeichnet, damit der Ärmel in die richtige Position „gedreht“ werden kann. Das Bild zeigt die Anprobe eines Anzugs von Regent aus Weißenburg. Der Stoff ist ein Flanell vonVitale Barberis Canonico (Foto: Martin Smolka)
  8. Erwarten Sie nur das, was Sie in der bestellten Preislage auch von der Stange bekommen würden – von der Einzelanfertigung abgesehen. Ein Maßkonfektionsanzug in der Preislage 300 bis 600 Euro, ist genauso gut oder weniger gut gemacht, wie ein Anzug von der Stange zu diesen Preis. Lose Einlagen oder handgenähte Knopflöcher darf man erst bei Anzügen ab ca. 1500 Euro aufwärts erwarten.

 

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Veröffentlicht von

bernhardroetzel

Oft werde ich als "Stilpapst" bezeichnet, ich selbst sehe mich als Liebhaber der klassischen Herrenbekleidung und vielleicht auch als Experten für dieses Sujet. Seit Ende der 1990er Jahre schreibe ich professionell über dieses Thema, Bücher, Zeitschriftenartikel und im Internet. Mein bekanntestes Werk ist "Der Gentleman. Handbuch der klassischen Herrenmode", daneben habe ich seit 1999 weitere 14 Bücher veröffentlicht. Zuletzt ist von bei h. f. ullmann mir das "Gentleman Look Book" erschienen. Im Internet bin ich bei Instagram und mit einer Seite bei FB präsent, außerdem als Autor bei Gentleman's Gazette und Parisian Gentleman.

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